Dörte Inselmann

am

Intendantin und Vorstand der Stiftung Kultur Palast Hamburg

Der Kultur Palast Hamburg ist seit seiner Gründung Ende der 1980er Jahre ein Ort der Kultur für alle. In seinem Leitbild ist die Vision einer toleranten und vielfältigen (Stadtteil-)Kultur fest verankert: Wir möchten Menschen mit verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründen eine aktive Teilhabe an Kunst und Kultur ermöglichen – insbesondere jenen, denen ein solcher Zugang bisher verwehrt blieb. Mit dieser Zielsetzung wirkt der Kultur Palast im Sinne von Artikel 3 des Grundgesetzes, welcher die Ungleichbehandlung infolge des Geschlechts, körperlicher Beeinträchtigung, der Herkunft, Sprache und der Religion untersagt. Unser inklusives, intergeneratives und transkulturelles Kulturangebot soll der bestehenden sozialen Ungleichbehandlung aktiv entgegenwirken – hierin sehe ich unsere gesellschaftliche Verantwortung und ein Bekenntnis zu unserer Verfassung. Insbesondere die junge Generation steht dabei auf der Agenda des Kultur Palast: Mit Werten wie Respekt und Toleranz, die beispielsweise in den Kursen unseres Projekts HipHop Academy Hamburg vermittelt werden, möchten wir diskriminierenden und demokratiefeindlichen Sinnangeboten den Wind aus den Segeln nehmen. 

In den letzten Jahren ist offen zutage getreten, dass die auf Artikel 3 fußende Idee einer pluralen und solidarischen Gesellschaft in Deutschland und Europa auf keinem festen Fundament steht: Grundsätze des friedvollen gesellschaftlichen Zusammenlebens müssen neu ausgelotet und erkämpft werden. Kulturstätten schaffen dabei Raum für diese sich mit neuer Dringlichkeit stellende Frage, wie wir unser Zusammenleben (neu) gestalten wollen – gleichzeitig werden Formen des Zusammenlebens von Künstler*innen und Besucher*innen an diesen Orten immer schon vollzogen und erprobt. Auch der Kultur Palast setzt Impulse für die Aushandlungsprozesse einer internationalen Stadtgesellschaft, wie wir sie in Hamburg finden. In Bezug auf dieses soziale Experimentierfeld sehe ich eine besondere Aktualität des Artikels 5, welcher unter anderem die freie Meinungsäußerung und die Kunstfreiheit festlegt. Wir haben gesehen, wie der erstarkende Rechtspopulismus mit dem Wunsch nach einer Renationalisierung der Kultur auf die Programminhalte von Kulturstätten Einfluss zu nehmen versucht. Auch in diesem Bereich muss eine Aufmerksamkeit dafür einsetzen, dass mit der wachsenden zeitlichen Distanz zu den dunkelsten Kapiteln dieses Landes nicht automatisch ein zivilisatorischer Fortschritt verbunden ist.

Unsere politische Grundordnung mit den Prinzipien der Demokratie, Gewaltenteilung und des Sozialstaats ist eine Errungenschaft, der ich zu ihrem 70. Geburtstag herzlich gratuliere – und der ich ein wachsendes öffentliches Bewusstsein wünsche.

Foto: © Horst Piezug und Hanne Moschkowitz

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