Jens Meier

am

CEO der Hamburg Port Authority

Am Grundgesetz fasziniert mich immer wieder aufs Neue seine Beständigkeit. Ursprünglich sollte es den schwierigen, ungeordneten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg gerecht werden und den sicheren Rahmen liefern für einen Neuanfang und den Aufbau der Bundesrepublik Deutschland. Im Kern ist genau dieses Grundgesetz schon damals so vorausschauend gewesen, dass es auch nach nunmehr 70 Jahren noch immer die Grundlage für die positive Entwicklung der Bundesrepublik ist – trotz aller Veränderungen und mancher Krisen.

Wenn ich mir das Grundgesetz heute angucke, fällt mir persönlich eine herausragende Regelung im Artikel 72 auf. Dieser Absatz mag den meisten auf Anhieb nicht viel sagen, denn im Gegensatz zu Festschreibungen wie der Menschenwürde, der Meinungsfreiheit oder auch der Sonntagsruhe wird dieser Artikel seltener in Verbindung mit unserem Grundgesetz genannt. Und zugegeben, der Paragraf klingt beim ersten Lesen durchaus sperrig. Ist hier doch von konkurrierender Gesetzgebung zwischen Bund und Ländern die Rede. Was mich daran dennoch fasziniert und was dieser Absatz mit dem Hafen, mit Hamburg und mit meinem persönlichen Alltag zu tun hat?

Das wird unter Punkt zwei deutlich, der für mich zu den zentralen Punkten unseres Grundgesetzes ist – einfach, weil er in vielen Bereichen gelebte Realität ist, ohne dass ihn viele Menschen überhaupt mit dem Grundgesetz in Verbindung bringen. Hier ist die Herstellung von gleichwertigen Lebensverhältnissen im gesamten Bundesgebiet als Politikziel zwischen Bund und Ländern festgeschrieben. Dieses Ziel ist sogar von Beginn an seit 1949 im Grundgesetz verbrieft, auch wenn die Formulierung über die Jahre von der „Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse“ zur „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ verändert wurde.

Für mich ist diese Aussage bedeutsam, weil auch wir im übertragenen Sinne im Hamburger Hafen Tag für Tag einen Teil dazu beisteuern, eben diese gleichwertigen Lebensverhältnisse herzustellen und dauerhaft für uns alle zu sichern. Das ist mir wichtig. Eine Zahl, die mich in diesem Zusammenhang immer wieder fasziniert, ist die Einnahme des Zolls im Hamburger Hafen. Diese liegt aktuell bei etwas mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr. Diese wahrlich große Summe ist eine wichtige und verlässliche Einnahme des Bundes – die am Ende auch dafür sorgt, dass andere Bundesländer vom Erfolg des Hamburger Hafens profitieren.  

Die Wirtschaftskraft des Hamburger Hafens steuert aber auch ganz für eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern im Norden ein wichtiges Stück dazu bei, gleichwertige Lebensverhältnisse zu bewahren: als größter Jobmotor der Metropolregion sichert unser Hafen mehr als 155.000 Menschen den Arbeitsplatz – und das weit über die Grenzen Hamburgs hinaus. Auch das ist natürlich nur abstrakt mit dem Grundgesetz zu verbinden, dennoch muss ich immer wieder an diesen seit nunmehr 70 Jahren erfolgreichen Grundsatz denken. Er war schon damals sehr vorausschauend.

Ich wünsche dem Grundgesetz zu seinem 70. Geburtstag weiter eine sichere Beständigkeit – vor allem auch im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. 

Foto: © HPA

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